Kellerkino

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Mit Zero-Hour-Vertrag in den Ruin

Ricky (Kris Hitchen) hat in seinem Leben jeden erdenklichen Job gemacht. Er hat auf dem Bau gearbeitet, Straßen gepflastert, sogar Gräber ausgehoben auf dem Friedhof. Nun versucht er, sich als Paketfahrer „selbständig zu machen“. Das Wort an sich ist der reinste Euphemismus und davon gibt es im ersten Dialog in „Sorry We Missed You“ viele. Mallony, der muskelbepackte Leiter der Fahrzentrale, erklärt Ricky das Konzept der „Zero Hour“-Verträge, mit denen das Unternehmen arbeitet: Die Fahrer werden Teil des Franchise, sie haben keine festen Arbeitszeiten, sondern werden nach Schnelligkeit der Lieferung und Schwierigkeit der Lieferroute bezahlt.

Schnell muss Ricky jedoch feststellen, dass der Traum, durch diese Freiheiten sein eigener Chef zu werden, neoliberale Augenwischerei ist. Denn in der Praxis heißt es für ihn ab jetzt, sechs Tage die Woche 14 Stunden unterwegs zu sein, um das Geld zu machen, mit dem seine Familie überleben kann. Jede Verspätung, jeder Ausfall wird mit einer Strafgebühr geahndet. Der Eingangsdialog mit den vielen Euphemismen des Unternehmers ist über schwarzem Bild zu hören, auf dem nach und nach die Anfangscredits laufen. Jeder, der schon einmal Arbeit gesucht hat, kennt die Phrasen. Sie sind nicht spezifisch für den Protagonisten. Doch was genau hinter ihnen steckt, wird dann an Rickys Geschichte erzählt, die sich mehr und mehr zuspitzt.

Wie schon bei I, Daniel Blake (mit dem Loach 2016 in Cannes die Goldene Palme gewann), siedelt der britische Regisseur seine Geschichte wieder im nordenglischen New Castle an. Und wie im letzten Film richtet er auch in Sorry We Missed You den Blick auf die Arbeiter, die durch neoliberale Wirtschaftspolitik und den Abbau von Sozialgesetzen jeden Tag aufs Neue um die reine Existenz kämpfen müssen. „Lange wurde uns erzählt, wenn du hart arbeitest und darum kämpfst, dann hast du ein gutes Leben, kannst deine Familie versorgen und bist sicher. Aber das hat sich geändert — und das ist kein Scheitern des Kapitalismus, das ist einfach purer Kapitalismus, wie er funktioniert“, sagte Loach auf der Pressekonferenz zu seinem Film in Cannes.

Exemplarisch erzählt er das an Ricky und seiner Familie. Seine Frau Abbie (Debbie Honeywood) ist Altenpflegerin. Auch sie hat einen „Null-Stunden“-Vertrag (wie statistisch 1,4 Millionen Menschen in Großbritannien), wird nur nach der Anzahl ihrer „Klienten“ bezahlt, wie ihre Chefin die Pflegebedürftigen nennt. Um den Transporter ihres Mannes zu finanzieren, hat sie ihr Auto verkauft, verbringt nun noch mehr Zeit auf dem Weg von einem Patienten zum nächsten, telefoniert nebenbei mit ihren Kindern, um ihnen zu sagen, wo das Mittagessen steht und wer sie für Schwimmunterricht oder den Chor abholt. Und bei all dem mag sie ihre Arbeit, mag die alten Menschen, will für sie sorgen und zerreißt dabei fast an der schieren Unmöglichkeit, all das mit der kurzen Zeit zu vereinbaren, die sie nur investieren dürfte, um für sich selbst „wirtschaftlich“ zu arbeiten.

Loachs Protagonisten sind extrem angespannt, mit jedem Tag erhöht sich der finanzielle Druck und ab dem Moment, als Ricky das erste Mal übermüdet in den Transporter steigt, hält man unweigerlich den Atem an und hofft nur, dass er weder einen Bus streift, noch aus Versehen ein Kind umfährt. Bei Debbie entlädt sich diese Spannung am Ende im Krankenhaus, wo sie am Telefon fluchend Mallony anschreit — und danach weinend zusammenbricht, weil sie eine Person ist, die nicht flucht und keine harten Worte benutzt. Der Ausbruch ist ihr peinlich, was sie unter Tränen ein ums andere Mal wiederholt.

Die Szene ist so hart wie jene in der Essensausgabe in I, Daniel Blake, wo die Protagonistin über eine Dose weißer Bohnen herfällt und sie schamerfüllt und unter Tränen mit bloßen Händen isst, weil sie vor Hunger nicht mehr weiterweiß. Dass die Schauspieler auch in diesem Film so weit gehen und dabei so gut sind, liegt zum einen am Casting. Rhys Stone und Katie Proctor, die die Kinder spielen, wurden vom Schulhof beziehungsweise aus dem Spanischunterricht heraus direkt zum Vorsprechen eingeladen. Und Debbie Honeywood, die zwanzig Jahre als Lehrerin in Nordengland gearbeitet hat, war ursprünglich als Film-Extra bei einer Agentur gemeldet. Nach einem Drink mit Loach stand fest, dass sie die weibliche Hauptrolle spielen würde. Loach dreht  seine Filme chronologisch, gibt den Schauspielern immer nur ein paar Seiten des Skripts. Zum Teil wissen sie nicht, was das Gegenüber als nächstes tun wird. So kitzelt er aus den Laien Emotionen, die manche Stars auch nach Jahren auf Filmschulen nicht hinbekommen.

Es entsteht so ein Sozialdrama, bei dem man bis zum Ende den Atem anhält — und danach beschließt, bei Amazon so schnell nichts mehr zu bestellen. (kino-zeit.de)

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Wutentbrannt

Benni (Helena Zagel) ist wütend. Benni rastet aus. Egal, wohin sie kommt, früher oder später fliegt die Neunjährige aus Wohngruppen oder Heimen, zur Schule geht sie schon gar nicht mehr. Sie schreit, sie ist aggressiv, sie ist nicht zu kontrollieren. Benni ist ein Systemsprenger: Das Jugendhilfesystem ist mit ihr überfordert. Dabei hat sie mit Frau Bafané (Gabriela Maria Schmeide) eine engagierte Sozialarbeiterin, sie hat immer wieder ErzieherInnen, die sich Mühe mit ihr geben. Aber diese Wut, diese Aggressionen lassen sich nicht kontrollieren. Deshalb findet Frau Bafané kaum mehr einen Platz für sie. Eine Unterbringung in der Geschlossenen scheint für alle anwesenden ErzieherInnen die einzige Lösung, nur Frau Bafané wendet ein, dass Benni dafür noch zu jung ist. Dann hat Bennis neuer Schulbegleiter Micha (Albrecht Schuch) eine Idee: Eigentlich arbeitet er mit straffälligen Jugendlichen, mit sechs von ihnen ist er schon in ein Haus im Wald gefahren. Drei Wochen ohne Strom, ohne Elektrizität. Das habe geholfen.

Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Fingscheidt lässt sich in Systemsprenger ganz auf ihre Hauptfigur ein: Wenn Benni austickt, dann überlagern sich Bildfetzen, wird die gesamte nicht zu bändigende Energie deutlich, die sie überkommt. Wenn sie gegenüber anderen Kindern gewältig wird, auch dann bleibt die Kamera nah an Benni, ohne dass sie in diesem Moment zeigt, was Benni tut. Am Rand des Bildes sind die Folgen zu erahnen. Dadurch wird spürbar, wie dieser Kontrollverlust für Benni ist, wie viel ungebändigte Energie in ihr steckt.

Über ihren Hintergrund erfährt man nach und nach mehr, durch Bilder, durch Gespräche, die die Erwachsenen miteinander führen: Sie rastet aus, wenn ihr jemand ins Gesicht fasst, weil ihr wohl als Baby Windeln ins Gesicht gedrückt wurden. Sie will eigentlich nur bei ihrer Mutter Bianca sein, aber die ist nicht nur überfordert mit ihrer Tochter und den anderen beiden Kindern, sondern auch wieder mit dem gewalttätigen Freund zusammen. Dass hierher ein anderes Trauma kommt, wird anhand der Bildfetzen deutlich: Einmal sperrt er Benni in einen Schrank. Diese Perspektive kennt das Publikum schon, aus einem von Bennis Anfällen. Vielleicht war es ein Wutanfall, vielleicht überkam es sie aber auch in der Nacht, wenn sie wieder einmal ins Bett gemacht hat.

Mit Micha kommt Benni nach einer Weile gut zurecht. Man spürt, dass alles, was sie will, ein Mensch ist, der für sie da ist. Eigentlich will sie zurück zu ihrer Mutter, aber ein wenig hofft sie auch darauf, dass Micha ihr hilft. Doch er erkennt, dass er die Distanz verliert bei der mageren Neunjährigen, er entwickelt Retter-Vorstellungen und weiß, wie unprofessionell das ist.

Das ständige Wechseln von Orten, von Bezugspersonen, von Kindern, die mit ihr dort leben, machen etwas mit Benni, das ist völlig klar. Sie macht sich schon nicht mehr die Mühe, die Namen der ErzieherInnen zu erlernen, sondern brüllt einfach ein „Erzieher!“, wenn sie etwas will. Dabei zeigt sich das Versagen des Systems hier nicht darin, dass niemand hinsieht, dass sich niemand kümmert. Benny ist schlichtweg ein extremer Fall – und für sie gibt es keine Lösung. Eine Therapie bekommt sie erst, wenn sie ein stabiles Umfeld hat. Aber ohne Therapie findet sie kein stabiles Umfeld.

Ein Kind wie Benni ist kein Einzelfall: Aber wenn eine Neunjährige, die zu viel Energie und zu viel Mist in ihrem Leben hat, keine Hilfe bekommt, wenn man ahnt, dass sie keine Zukunft hat, dann bricht einem das das Herz. Systemsprenger gelingt das Kunststück, dass man versteht, warum Benni auch pädagogisch geschultes Personal an seine Grenze bringt, warum selbst Menschen, die ihr wohlgesinnt sind, aufgeben. Sie ist unglaublich anstrengend. Und brutal. Und doch liebenswürdig. Denn ihr ganzes Verhalten ist doch – so klischeehaft es klingen mag – ein einziger Schrei nach Hilfe. Jedes Mal, wenn Benni wieder enttäuscht wird, schmerzt es, dass wieder eine Chance vergeben wurde, wieder eine Hoffnung vergebens war. Sie ist doch erst neun Jahre alt. Und mit neun Jahren sollte man noch nicht aufgegeben haben – oder aufgegeben worden sein. (Kino-zeit.de)

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Filmhandlung und Hintergrund

Aufrüttelnde Dokumentation von Hans Block und Moritz Riesewieck um die digitale Zensur und die Menschen, die auf Facebook und Co. Inhalte moderieren.

Videos von Enthauptungen und Ermordungen, pornografische Inhalte, politische Hetze, Mobbing — was tagtäglich über die Bildschirme der Moderatoren von sozialen Netzwerken wie Facebook, YouTube und Co. flimmert, gehört zu den tiefsten menschlichen Abgründen. Ihre Aufgabe ist es, anstößige Inhalte im Internet zu erkennen, herauszufiltern und zu sperren. Die Arbeit ist psychisch eine enorme Belastung. Trotzdem wird sie zum Großteil outgesourct.

Die digitale Drecksarbeit ist inzwischen eine echte Schattenindustrie. Die beiden Filmemacher Hans Block und Moritz Riesewieck sind nach Manila gereist, um die Arbeit der Content Moderatoren investigativ zu begleiten. Tagtäglich werden die Moderatoren nicht nur mit Gewalt und verstörenden Videos, Bildern und Texten konfrontiert. Sie üben eine geheime Macht darüber aus, welche Inhalte einer breiten Öffentlichkeit ausgespielt werden. Ihre Arbeit berührt damit das Fundament der Demokratie.

„The Cleaners“ — Hintergründe

Wer sind die Menschen, die die Informationsflut auf den sozialen Netzwerken moderieren, und unter welchen Bedingungen arbeiten sie? Die Dokumentation von Hans Block und Moritz Riesewieck wirft einen wichtigen Blick hinter die Kulissen einer stetig wachsenden Wirtschaft. Die Dokumentation „The Cleaners“ ist bereits auf zahlreichen Filmfestivals gelaufen und wurde auf dem renommierten Sundance Film Festival2018 für den großen Preis der Jury nominiert. (Kino.de)

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Mit atemberaubenden Aufnahmen aus Bangladesch führt Filmemacher Shaheen Dill-Riaz den Zuschauer ein in die raue Welt einer Handvoll Männer, die seit Generationen Bambus fällen und das Holz mit riesigen Flößen zu den Großhändlern in der Hauptstadt Dhaka bringen. Die Fahrt über 300 Kilometer mit 25.000 Baumstämmen dauert über einen Monat und ist voller Gefahren. Neben den Stromschnellen des Flusses lauern auch Diebe und Piraten auf leichte Beute. (Kino-zeit.de)

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Was bleibt

Was macht die „Essenz eines Menschen“ aus? Und wie lässt sich mithilfe von Steinen, Farben, Schriften, Ornamenten oder zusätzlichen Materialien ein möglichst treffendes Portrait eines Verstorbenen „zeichnen“? Michael Spengler liebt es, genau zuzuhören. Ebenso behutsam wie empathisch versucht der Berliner Steinmetz und Grabsteinkünstler in jedem seiner Kundengespräche, die keinen strengen Trauertherapiesitzungen gleichen, sondern hingegen voller Empathie geführt werden, der Persona jedes Toten möglichst nahe zu kommen. Ecken und Kanten sind dabei – nicht nur in der Stein- oder Materialauswahl – absolut erwünscht.

Er wolle dem Verstorben, egal ob Kind oder Senior, zusammen mit den Hinterbliebenen in erster Linie in all seiner Vielfältigkeit wie „Widersprüchlichkeit“ sowohl handwerklich wie künstlerisch einen letzten wertvollen Dienst erweisen. Die Berliner Dokumentaristin und „filmARche“-Absolventin Katinka Zeuner vertraut in Der Stein zum Leben ihrem überaus starken Protagnisten mit Schiebermütze und angenehmen Timbre in der Stimme von Beginn an. Sie schenkt ihm wie den teilweise völlig unterschiedlichen Trauernden, die sie über mehrere Monate selbst mit der Kamera begleitet hat, in ihrem herausragenden Dokumentarfilm erfreulicherweise genügend Zeit und Raum.

Alles ist hier dramaturgisch streng-konzentriert und von Beginn an auf ästhetische Verdichtung aus. In Katinka Zeuners jederzeit unvoyeuristischem Kamerastil transportiert sich in diesem wunderbar tempogedrosselten Dokumentarfilm sehr rasch ein schwer fassbares Gefühl von Transzendenz, das dieser obendrein wunderbar montierten Filmperle in den besten Miniaturszenen eine geradezu magische Komponente verleiht.

Zusammen mit einer Reihe herrlich offener Fragen, die der 55-jährige Michael Spengler seinen Auftraggebern bereits regelmäßig im Rahmen erster Begegnungen stellt („Wie lässt sich Atem darstellen?“), gelingt es ihm erstaunlich schnell, nicht nur in seinem eigenen Kopf ein imaginäres Bild des Toten kreieren, sondern ebenso rasch die speziellen Lebensumstände des Einzelnen oder die nicht immer einfachen Familienkonstellationen im Hintergrund zu eruieren, was ihm später bei der Ausarbeitung jenes langfristig entworfenen „Grabzeichens“ eminent hilft.

Philosophisch grundierte Ideen, der Glaube eines Menschen oder seine politischen wie sozialen Grundhaltungen spielen hierbei eine explizite Rolle: „Für die Gestaltung eines Grabmals kann es wichtig sein, wie derjenige über Transzendenz dachte. Ob für ihn das Leben durch den Tod vorbei ist, oder ob es etwas gibt, das durch den Tod nicht zerstört werden kann“, sagt Michael Spengler über seine außergewöhnliche Herangehensweise als Steinmetz wie Grabsteinskulpteur, die er bewusst „Grabzeichen“ nennt: Posthum sollen diese Wegmarken für den Toten schließlich leuchten! Und ihn auf dem Weg in etwas gänzlich Neues nachhaltig begleiten, so lautet der spannende Ansatz seiner solitären Handwerkskunst.

Katinka Zeuners Der Stein zum Leben, der 2018 auf dem DOK Leipzig sowie beim Achtung Berlin Festival Furore machte, ist ein ausgesprochen sensibler und nachdenklich stimmender Dokumentarfilm über das Menschsein, berührende Abschiede und facettenreiche Neuanfänge inklusive. Angenehm zurückhaltend und mit präsenten Protagonisten in Szene gesetzt und filmisch selbst jederzeit zwischen den Sphären des Lebens und des Todes mäandernd, ist Katinka Zeuner in toto ein überaus gelungener Beitrag zu den Urfragen der menschlichen Existenz gelungen, der lange nachhallt und gerade durch seine präzise Verdichtungsform auch in ästhetischer Hinsicht vollkommen überzeugt.

Zugleich lässt sich Der Stein zum Leben als zeitgemäße Form von Trauerarbeit interpretieren, da die Berliner Filmemacherin vor sechs Jahren selbst einmal zum unscheinbaren Zirkuswagen Michael Spenglers an der „Gedenkstätte Berliner Mauer“ in der Nähe der Bernauer Straße aufgebrochen war. Zur selben Zeit hatte sie gerade ihre eigene Mutter verloren. Alsbald suchte sie nach einem künstlerischen Umgang mit jenem einschneidenden Erlebnis in ihrem Leben. Mit diesem außerordentlich sensitiven Dokumentarfilm hat sie nun ein Stück weit Frieden mit dem Tod geschlossen, wie sie es selbst in Leipzig erklärt hat – und gleichzeitig das Tor zum (Weiter-)Leben weit aufgestoßen. (kino-zeit.de)

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„Du musst den Teig beobachten: Er ist etwas Lebendiges, Fragiles.“ Wenn Christophe Vasseur vom Prozess des Brotbackens berichtet, leuchten sofort seine Augen. Der engagierte Mini-Bio-Bäcker aus Paris („Wir müssen den Jungen wieder das Schmecken beibringen!“) betont in Harald Friedls ausgesprochen sinnlichem Dokumentarfilm Brot immer wieder die Einzigartigkeit jenes Ur-Lebensmittels, dessen beeindruckende und insgesamt über 11.000-jährige Geschichte bereits von Archäologen und Historikern gut erforscht ist und täglich die halbe Welt versorgt.

Ob im Familienbetrieb an der Ecke, im Supermarkt, an der Tankstelle, im Flugzeug oder in der Bahn, ja sogar im Urlaub: Brot ist sowohl als Genussmittel wie Energielieferant gerade in Europa so populär und omnipräsent wie kaum ein anderes Lebensmittel. Dabei könnte das Gefälle zwischen Masse und Klasse, Billigbrot oder Biobäckerware inzwischen kaum größer sein.

Vieles, wovon Harald Friedl in Brot erzählt, ist zwar inhaltlich nicht wirklich neu, wurde aber selten so elegant wie erhellend in Szene gesetzt und reiht sich damit nahtlos in einer Reihe österreichischer Dokumentarfilme aus der jüngeren Vergangenheit ein, denen spielerisch der Spagat zwischen Liebe zum Objekt und Härte in der Sache für ein breiteres Publikum gelang, ohne dafür biedere Moralkeulen schwingen zu müssen.

Während beispielsweise 32.000 Brötchen in der Stunde im Großbackbetrieb „Harry-Brot“ aus dem Backofen rollen und dessen Geschäftsführer, Hans-Jochen Holthausen, sachlich-nüchtern von den eigenen „first-mover“-Erfolgen als größter Sandwichproduzent des Landes spricht, wird bei der Familie Öfferl im niederösterreichischen 885-Seelen-Örtchen Gaubitsch weiterhin jeden Tag jeder einzelne Laib Brot mit der Hand bearbeitet, ehe er ohne künstliche Zusätze aus den „Sackerln“ hinter dem Verkaufstresen landet.

Nachdem die kleine unabhängige Bäckerei vor 20 Jahren als konventioneller Handwerksbetrieb gegenüber der steigenden Supermarktware vor dem finanziellen Ruin stand, änderte der Juniorchef Georg Öfferl die hausinterne Firmenagenda radikal-konsequent – und mit Erfolg: Hier wird ausschließlich Bio-Ware produziert, nach alten Rezepten und mit extrem viel Zeit und handwerklicher Hingabe, was die zahlende Kundschaft im Weinviertel jederzeit honoriert.

Brotbacken ist für die Öfferls eben nichts weniger als ein „Wunder“, das einerseits nur aus wenigen Zutaten besteht, aber andererseits für die Mitarbeiter des Hauses täglich einen ganz besonderen Zauber in die mehlige Backstube bringt, weil alles perfekt sein muss, damit das Brot später „geil“ schmeckt – und zugleich jeden Tag anders.

Helmut Friedls angenehm entschleunigte Dokumentarfilmstudie zum Thema Brot 2.0 lebt in erster Linie von ihren sozialpolitischen Gegensätzen und weniger von klassischen Foodporn-Elementen. Denn egal ob „Preback“-Pioniere wie Holthausen („Bei mir war immer Wachstum, Wachstum, Wachstum das Ziel“) oder überzeugte Bio-Handwerker wie die Öffels („Bio ist halt eine Grundsatzentscheidung“): Jeder der einfühlsam porträtierten O-Ton-Geber, die von Helmut Wimmers präziser Bildgestaltung nie bloßgestellt werden, will mit seiner Methode im Grunde nur das Beste aus seinen Möglichkeiten machen. Wenngleich mit völlig konträren Ansätzen in punkto Nachhaltigkeit, Wirtschaftswachstum und Genussphilosophie, was Friedls Regie auf mannigfaltige Weise und nicht ohne Sinn für Humor bis zum Ende hin fein herausarbeitet.

Zwischen exotischen Backmessenbesuchen, sinnlichen Aromaproben, teuflischen Enzymmischungen und Sci-Fi-Fabrikationsmodellen sowie der bizarren Suche nach dem richtigen Rezept für das Brot auf dem Mars, erläutert Friedls Film die komplexen Zusammenhänge zwischen Ökologie und Arbeit, Gesundheit und Geschmack oder Politik und Konsum auf durchgängig spannende Weise.

Das reicht vom Kampf einzelner EU-Abgeordneter und Ökobauern gegen Pestizide und Weichmacher in der „Muttererde“ wie im Supermarkt-Toastbrot, bis hin zu den speziellen, kostengünstigen und imitierten Sauerteigaromen aus aller Welt, die andere wiederum über den Klee loben und gleichzeitig Milliardenumsätze damit generieren. Und spätestens da vergeht jedem wachsamen Konsumenten der Geschmack. (kino-zeit.de)

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Der Film erzählt die Liebesgeschichte zwischen Clara Wieck (Nastassja Kinski) und Robert Schumann (Herbert Grönemeyer), aber auch die Geschichte der Hassliebe zwischen Schumann und Friedrich Wieck (Rolf Hoppe), dem Vater Claras, der seiner Tochter in mehr als väterlicher Liebe verbinden ist. Indem er ihre Karriere betreibt, will er sich selbst als Künstler verwirklichen. Was wäre Wieck ohne Clara? Was würde aus Schumann ohne sie? Eine Leidenschaft haben alle drei: die Musik. Der Kampf, den die beiden Männer um Clara führen, ist zugleich ein Kampf verschiedener Kunst- und Lebensstile, ein Kampf der Generationen. Schumanns voreheliches Leben, seine wechselnden Liebschaften, seine exzessiven Klavierübungen, die bis zur Selbstverstümmelung führen, seine frühe, manisch-fiebrige Musik stehen in krassem Kontrast zum traditionellen Virtuosentum, das Wieck mit seiner Tochter glänzend manifestiert.

Höhepunkt des Films ist der Prozess, der um Schumanns und Claras Eheerlaubnis geführt werden muss. Für Wieck bricht eine Welt zusammen, während Schumann Clara gewinnt. Seine „Frühlingssinfonie“ ist Ausdruck seiner Liebe, seiner Leidenschaften für Clara und Ausdruck eines nach vielen Rückschlägen errungen Sieges. Doch es ist lediglich ein Sieg auf Zeit.

Das Drehbuch dieses poetischen Films basiert auf authentischen Quellen und hält sich streng an die historischen Gegebenheiten. Mit der hochkarätigen Besetzung von Herbert Grönemeyer, Rolf Hoppe und Nastassja Kinski vermag Regisseur Peter Schamoni dem heutigen Zuschauer das Leben, Denken und die Musik der vergangenen Zeit der Romantik nahe zu bringen. Dabei zollt der Film der großen Begabung Clara Schumann seinen Respekt. Als berühmte Musikerin sorgte sie für die Veröffentlichung und den Erfolg der Werke ihres Mannes. Als Schamoni seinen Film 1982 an Originalschauplätzen realisierte, galt diese deutsch-deutsche Zusammenarbeit als eine kleine Kulturrevolution.

Peter Schamonis Meisterwerk brachte unter anderem den Bundesfilmpreis für Nastassja Kinski in Gold, den Bayerischer Filmpreis für Regie sowie verschiedene internationale Filmpreise und ist auch heute noch ein sinnliches Vergnügen über Musik, Leidenschaften und die Liebe. (kino-zeit.de)

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Spanien 1993: Nach dem Tod ihrer Mutter muss die sechsjährige Frida (Laia Artigas) zu ihrer Tante und ihrem Onkel aufs Land ziehen. Mit gebrochenem Herzen sieht sie zu, wie alle Möbel aus der alten Wohnung in Lieferwagen verstaut werden und ihre einzigen Freunde zum Abschied noch ein Stück winkend mit dem Auto mitlaufen, in dem sie zu den Verwandten transportiert wird. Obwohl sich diese liebevoll um sie kümmern, fühlt sich Frida ohne Anschluss und fernab ihrer Heimat allein und verlassen, der erste Sommer bei ihrer neuen, alten Familie ist für das Mädchen extrem problematisch. Alle stehen vor der Herausforderung, sich Schritt für Schritt näherzukommen. Erst als sich Frida mit ihrer Cousine Anna (Paula Robles) anfreundet und die beiden praktisch unzertrennlich werden, scheint sie langsam mit ihrer Situation klarzukommen. Doch auch nach der Eingewöhnungsphase hat das eigentlich lebenslustige Kind immer wieder mit tiefer Trauer zu kämpfen… (Filmstarts.de)

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Die zwölfjährige Sue (Ruby M. Lichtenberg) liebt Superhelden über alles. Daher macht das hochintelligente Mädchen in seiner Freizeit auch nichts lieber, als Superheldencomics zu verschlingen und gemeinsam mit ihrem Vater Christoph (Luc Schiltz) von einer Karriere als Heldin zu träumen. Mit den anderen Mädchen in ihrem Alter kann sie hingegen nicht so viel anfangen, auch an der Clique rund um die Anführerin Eileen (Lotte Tscharntke) zeigt sie keinerlei Interesse. Da kommt Sue eines Tages im Labor ihrer Mutter Maria (Victoria Mayer), einer renommierten Wissenschaftlerin, in Kontakt mit einer geheimnisvollen Flüssigkeit und kann sich fortan unsichtbar machen. Zunächst ist Sue natürlich hellauf begeistert, doch schnell gerät sie aufgrund ihrer neuen Fähigkeit in Gefahr, bis plötzlich sogar ihre Mutter entführt wird! Mit Hilfe ihrer Mitschüler App (Anna Shirin Habedank) und Tobi (Lui Eckardt) nimmt sie die Verfolgung der Entführer auf… (Filmstarts.de)

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