Kellerkino

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Schlingel Internationales Filmfestival: Preis des Goethe-Instituts, Preis der ökumenischen Jury 2019

Regie: Sarah Winkenstette; Buch: Susanne Finken; Kamera: Monika Plura; Schnitt: Nicole Kortlüke; Musik: Leonard Petersen; Darsteller*innen: Yoran Leicher, Sobhi Awad, Anna König, u. a.; Deutschland 2019; 88 Min.; FSK: 0;
Empfohlen ab 10 Jahren

Da sein Heimatdorf einem Braunkohletagebau weichen soll, müssen Ben (12) und seine Familie in die nächstgrößere Stadt umziehen. In der neuen Schule ist er erst mal der Außenseiter. Und auch im neuen Fußballverein laufen die Dinge für den talentierten Stürmer nicht wie erhofft. Zu allem Überfluss gibt es noch einen weiteren Neuankömmling an der Schule: Tariq (11), Flüchtling aus Syrien, der ihm nicht nur in der Klasse die Show stehlt, sondern auch noch auf dem Fußballplatz punktet. Wird Ben im Abseits bleiben – oder hat sein Konkurrent doch mehr mit ihm gemeinsam als er denkt? (Verleih)

Wir fanden es anfangs recht schwer dem Film ZU WEIT WEG eine angemessene Kritik zu geben, denn er spricht viele verschiedene Themen an, die vor allem die heutige erwachsene Gesellschaft sehr beschäftigen, und versucht diese für Kinder zu erklären. In dieser Geschichte zählt vor allem die Freundschaft, die die beiden Jungs verbindet. Kurze Dialoge machen den Film leicht verständlich und manch coole Kamera- und Special Effects gaben der Handlung Schwung. Vor allem die schauspielerische Leistung von Tariq hat uns überzeugt und ließ seine Geschichte sehr realistisch wirken. (Jugend-Filmjury)

Ein berührender Film über Freundschaft und die Frage, was es heißt, fremd zu sein. (DeinSpiegel)


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Wir bitten um Ihr Verständnis, das Kellerkino-Team (September 2020)

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Goldener Spatz: Bestes Drehbuch 2019

Regie: Steven Wooterloud; Buch: Laura van Dijk; Kamera: Sal Kroonenberg; Schnitt: Christine Houbiers; Musik: Franziska Henke; Darsteller*innen: Sonny Coops Van Utteren, Josephine Arendsen; Niederlande / Deutschland 2019; 82 Min.; FSK: 0; dt. Fassung
Empfohlen ab 8 Jahren

Der 10jährige Sam und seine Familie machen Urlaub auf der niederländischen Insel Terschelling, doch bereits am ersten Tag bricht sich sein Bruder ein Bein. Sam trifft durch diesen Umstand auf Tess, ein seltsames Mädchen, das einen verrückten Plan hat, um endlich ihren Vater kennenzulernen. Und kein Geringerer als Sam soll ihr dabei helfen. Obwohl Sam eigentlich allein bleiben will, um sich so vor Kummer zu schützen, entdeckt er während seines Abenteuers mit Tess, wie wichtig Familie wirklich ist. (Verleih)

Eine turbulente Sommergeschichte für die ganze Familie. (MDR)

Gleichzeitig leicht, nachdenklich und aufrichtig. Eine schöne und ausgewogene Coming-of-Age-Geschichte. (Screendaily)


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Internationales Filmfestival Cannes: Preis der Jury 2019
César Filmpreis: Bester Film 2019
Europäischer Filmpreis: Europäische Entdeckung – Prix FRIPRESCI 2019

Regie: Ladj Ly; Buch: Ladj Ly, G. Gederlini, A. Manenti; Kamera: Julien Poupard; Schnitt: Flora Volpelière; Darsteller*innen: Damien Bonnard, Alexis Manenti, Jeanne Balibar, u. a.; Frankreich 2019; 104 Min.; FSK: 12; Französisch m. dt. U.

Schon bei seinem ersten Einsatz spürt der Polizist Stéphane, der Neuling in der Einheit für Verbrechensbekämpfung in Montfermeil, die Spannungen im Viertel, in dem es immer wieder zu hitzigen Auseinandersetzungen zwischen Gangs und Polizei kommt. Hier herrschen eigene Regeln, die Kollegen überschreiten selbst die Grenzen des Legalen, sehen sich dabei aber stets im Recht. Bei der versuchten Verhaftung eines jugendlichen Verdächtigen werden die Polizisten mit Hilfe einer Drohne gefilmt. Ihr fragwürdiges Vorgehen droht öffentlich zu werden, und aus den Gesetzeshütern werden plötzlich Gejagte…
Regisseur Ladj Ly, selbst in Montfermeil aufgewachsen, siedelt sein spannungsgeladenes Spielfilmdebüt am Schauplatz von Victor Hugos berühmtem Roman „Les Misérables“ an. Und gibt damit ein klares Statement: Wenig hat sich geändert in den letzten 150 Jahren in den von Armut und sozialen Spannungen geprägten Vororten, wo Jugendliche mit Migrationshintergrund im Krieg mit der Polizei liegen – und umgekehrt.
Es ist ein harter, realistischer, schnell geschnittener und provozierender Blick auf die klaffende Wunde sozialer Ungerechtigkeit und einen von Gewalt geprägten Alltag in den Pariser Banlieues, auf eine Jugend ohne Chance – und ihre Art, sie zu nutzen… (Verleih)

Ein meisterlich inszenierter Film über die explosive Gemengelage an Fronten und Fraktionen in den französischen Banlieues. Ohne einseitige Schuldzuschreibungen greift das fein gezeichnete Drama brandaktuelle gesellschaftliche Strömungen auf und sensibilisiert eindrücklich für die unkalkulierbaren Gefahren, die aus jeglicher Form der Ausgrenzung erwachsen. (filmdienst.de)


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Regie: Christian Krönes, Florian Weigensamer; Buch: Roland Schrotthofer, F. Weigensamer; Kamera, Schnitt: Christian Kermer; Österreich 2018; 96 Min.; FSK: 6; Englisch m. dt. U.

Der Dokumentarfilm WELCOME TO SODOM lässt die Zuschauer hinter die Kulissen von Europas größter Müllhalde mitten in Afrika blicken und portraitiert die Verlierer der digitalen Revolution. Dabei stehen nicht die Mechanismen des illegalen Elektroschrotthandels im Vordergrund, sondern die Lebensumstände und Schicksale von Menschen, die am untersten Ende der globalen Wertschöpfungskette stehen. Die Müllhalde bei Accra in Ghana wird höchstwahrscheinlich auch letzte Destination für die Tablets, Smartphones und Computer sein, die wir morgen kaufen! (Verleih)

Dieser Wahnsinnsfilm ist der Kommentar zu Weltwirtschaft und Wohlstandsgefälle in spektakulären Bildern. Mehr Kino geht nicht. (Amnesty International)


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Regie: Robert Wiene; Buch: Carl Meyer, Hans Janowitz; Kamera: Willy Hameister; Darsteller*innen: Werner Kraus, Conrad Veidt, Lil Dagover, u.a.; Deutschland 1920; 76 Min.; FSK: 12; dt. Zwischentitel

Dieser expressionistische Stummfilmklassiker erzählt die Geschichte des Dr. Caligari, der mit Hilfe des Somnambulen Cesare eine kleine Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Tagsüber lässt Caligari Cesare auf dem Jahrmarkt die Zukunft vorhersagen. Nachts begeht Cesare unter dem Einfluss seines Herrn furchtbare Morde. Eines Nachts wird Alan ermordet, nachdem Cesare ihm den nahen Tod prophezeit hatte. Alans Freund Francis ahnt, dass Dr. Caligari mit der Sache zu tun hat. Als Francis‘ Freundin Jane von Cesare entführt wird, wird der Verdacht zur Gewissheit. (Verleih)

Vor allem der Caligari des Werner Krauß ist in Maske, Miene und Gebärde von gespenstischer Romantik, stärkster E.T.A. Hoffmann. (Vossische Zeitung vom 29.2.1920)

Man kann sich zur modernen Kunst stellen, wie man will, in diesem Fall hat sie entschieden eine Berechtigung. Die Decla-Filmgesellschaft hat mit diesem neuesten Werk bewiesen, dass die Filmkunst noch lange nicht mit ihrem Latein zu Ende ist, und dass noch neue, ungeahnte Möglichkeiten zu ihrer Weiterentwicklung offen stehen. (Der Kinematograph vom 3.3.1920)

16:30 Uhr – erste Vorführung
19:30 Uhr – zweite Vorführung

Kartenvorverkauf ab Dienstag den 29. September an der Abendkasse vom Kellerkino und ab Mittwoch den 30.09. in der Anmeldung der VHS Hildesheim. (KEINE Anmeldung. Nur Kartenvorverkauf).
Beim Kartenvorverkauf füllen Sie direkt den Zettel zur Zurückverfolgung von Infektionsketten aus.


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Manchmal ist der Kopf ganz leer.
Natürlich lohnt sich die neue elektronische Kasse, sie wolle ja schließlich noch viele Jahre arbeiten. „Ich bin erst 69!“, so Romys Großmutter Stine (Beppie Melissen), eine eher resolute Frau, vielbeschäftigt mit ihrem kleinen Friseursalon, den sie allein betreibt, vielleicht ein wenig einsam, seit ihr Mann nicht mehr lebt.

Wegen ihm ist sie vor vielen Jahren in die Niederlande gekommen – in ihrer Wohnung hängt ein Bild, das er gemalt hat, vor vielen Jahren. In der Nähe von diesem dänischen Strand habe sie gewohnt, erzählt sie ihrer Enkelin, als er dort Urlaub machte. Am Strand habe sie immer gebadet, nackt, weil sich das Wasser so schön anfühlt auf der Haut. Romy (Vita Heijmen) verzieht nur leicht angeekelt die Mundwinkel – nackt baden?

Weder Oma noch Enkelin sind besonders begeistert, dass Romy nach der Schule bei Stine bleiben soll, weil Romys Mutter Margot (Noortje Herlaar) eine neue Stelle gefunden hat und endlich etwas mehr arbeiten kann. Zu ihrem Vater Willem (Guido Pollemans) kann sie nicht, denn dessen Haus gehört seiner neuen Freundin, und mit der will Romy nichts zu tun haben.

Die Zehnjährige arrangiert sich damit ebenso wie die Seniorin mit Vermeidungsstrategien: Romy spielt noch Fußball oder putzt Fernfahrern die Windschutzscheiben, sie sucht nach Tricks und Auswegen, um erst möglichst spät im Friseursalon erscheinen zu müssen. Und Stine ist froh, dass die Enkelin sich gleich nach oben in die kleine Wohnung verdrückt und dort Hausaufgaben macht, Zeitschriften liest und jedenfalls nicht stört. Dann fällt Romy aber auf, dass ihre Großmutter anfängt, sich zu verrechnen und Dinge zu vergessen – und Stine freut sich über das aufmerksame Kind, das ihr immer mehr eine große Hilfe wird.

Tamara Bos lässt in ihrem Drehbuch (nach ihrem eigenen Roman) die Anzeichen für Stines Alzheimer-Erkrankung ganz langsam in die Handlung eindringen, bis dann zunächst ein Besuch im Krankenhaus für Klarheit sorgt und ein Brand im Salon einen Umzug in ein Pflegeheim erzwingt. Mischa Kamps Inszenierung verzichtet dabei auf große Gefühligkeiten und Schmalz. Sie zeigt die Ratlosigkeit von Margot, die Verwirrung von Stine und Romy. In der Plötzlichkeit der Ereignisse, die der Film ganz aus den Augen von Romy zeigt, lässt sich erahnen, wie wenig ihre Großmutter versteht, verstehen kann, was vor sich geht.

Das ist nicht zuletzt den Darsteller_innen zu verdanken. Melissen und Heijmen nimmt man die schwierige, sich entwickelnde Beziehung jederzeit ab, und Herlaar gibt ihre Margot ohne jeden Pathos und jede Übertreibung als sich sorgende, alleinerziehende, berufstätige Mutter, die ihrer Mutter helfen möchte und gleichzeitig sichtbar – aber eben nur angedeutet – jahrzehntealte, nicht ausgetragene Konflikte mit ihrer Mutter herumträgt.

Der kindliche Blickwinkel sorgt dafür, dass Romys Salon solche Themen nur am Rande andeutet – und zugleich ohne jede Sentimentalität den Fokus darauflegt, welche emotionale Last eine Alzheimer-Erkrankung für Angehörige und Erkrankte sein kann. Insofern ist Kamps Film einer der bestmöglichen Kinderfilme, nämlich einer, der eigentlich keiner ist. Seine kindliche und kindertaugliche Perspektive macht allerdings den Blick klarer und der Erkrankung womöglich angemessener, weil er stärker auf das Hier und Jetzt konzentriert ist.

Weil Stine so viel über ihre alte Heimat Dänemark spricht, entschließt sich Romy kurzerhand, mit ihrer Oma dorthin zu fahren – natürlich ohne ihren Eltern Bescheid zu geben, die das nie gutheißen würden. Mit ein wenig erspartem Geld machen sich die zwei auf den Weg.

Die Ähnlichkeit der Handlung sorgt natürlich zwangsläufig für Vergleiche mit Til Schweigers hierzulande sehr erfolgreichem Film Honig im Kopf (dessen von ihm selbst inszeniertes amerikanisches Remake sensationell gefloppt ist), aber damit tut man Romys Salon mehr als Unrecht. Während Schweigers Film vor allem darauf abzielt, möglichst große emotionale Reaktionen zu erzeugen, und seine Welt im Übrigen in „neo-spießige Hochglanzoptik“ taucht, wie Joachim Kurz das treffend beschrieben hat, zeigt Kamp eine realistische Welt, in der die Menschen einfach leben und arbeiten, müde und erschöpft, aber doch einander zugetan sind.

Die Beziehung zwischen Margot und Willem etwa ist in Romys Salon keine dramatische Trennungsgeschichte. Es wird gelegentlich angedeutet, dass die Scheidung nicht besonders angenehm war (welche wäre das schon?), die beiden reden nicht wirklich miteinander, und vor allem Romy ist nicht glücklich über die Konstellation. „Hattest Du Spaß?“, fragt Margot ihre Tochter einmal nach einem Nachmittag mit Willem. „Nein.“

Aber als Romy und Stine plötzlich verschwunden sind, sind die beiden selbstverständlich gemeinsam unterwegs, um ihre Tochter zu suchen – aber genauso selbstverständlich ändert das nichts Grundlegendes an ihrem Verhältnis zueinander. Alzheimer ist hier kein Vehikel, das eine Beziehung kittet.

Stattdessen ist Romys Salon ein Film, der lustig ist und traurig, ernst und albern, realistisch und ein wenig phantastisch. Eine präziser Blick auf eine kleine, liebende Familie in unserer Gegenwart. (kino-zeit.de)

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Ästhetik des Widerstands

Seit langem schon war Terrence Malicks neuer Film angekündigt worden – mindestens seit 2016 war bekannt, dass der US-amerikanische Regisseur an einem Film namens „Radegund“ arbeitete. Und doch verschob sich die Fertigstellung des Films immer weiter, bis er schließlich 2019 im Wettbewerb des Filmfestivals in Cannes auftaucht.

Der mit deutschem Geld und der Mithilfe von Studio Babelsberg realisierte Film erzählt die Geschichte des österreichischen Kriegsdienstverweigerers Franz Jägerstätter, der 1997 wegen seiner tiefen Frömmigkeit und seiner beharrlichen Weigerung, für Führer, Volk und Vaterland in den Krieg zu ziehen, seliggesprochen wurde. Statt amerikanische Hollywood-Stars sind es dieses Mal aber deutsche und österreichische Darsteller*innen wie August Diehl, Valerie Pachner, Karl Markovics, Franz Rogowski und viele andere mehr in Klein- und Kleinstrollen, die Malicks legendärem Ruf als Leinwandmagier und Schöpfer bildgewaltiger Epen und kinematografischer Gesamtkunstwerke gefolgt sind.

Fast drei Stunden Zeit nimmt sich Terrence Malick für seine Märtyrergeschichte. Er nutzt sie vor allem für all die stilistischen Eigenheiten, die seit vielen Jahren seine Filme prägen. Raunende Stimmen aus dem Off, oft geflüstert, ersetzen vielfach die Dialoge im eigentlichen Sinne und lassen so etwas wie einen inneren Bewusstseins- und Gedankenstrom entstehen. Schwelgerische Naturaufnahmen entwerfen das Bild eines ländlichen Österreich, das fast schon einem Paradies auf Erden gleicht. Die Bäche rauschen, die Getreidefelder und Wiesen wiegen sich sanft im Wind, majestätisch hängen die Wolken über dem Ort St. Radegund in Oberösterreich, wo Jägerstätter (August Diehl) gemeinsam mit seiner Frau Franziska, genannt Fani (Valerie Pachner, Der Boden unter den Füssen), und seinen drei kleinen Töchtern lebt. Ein Paradies der einfachen Leute, ein Leben im Einklang mit der Natur, mit Flora und Fauna, das durch eine Gefahr von außen bedroht ist. Dieses Gespenst, das sich wie ein Gift in den Organismus einschleicht, ist der Nationalsozialismus, den Malick gleich zu Beginn des Filmes mit historischen Aufnahmen vom triumphalen Einzug Hitlers in Wien untermalt.

Der zutiefst fromme Jägerstätter kann mit dem nationalistischen Gebrüll seiner Landsleute und seiner Nachbarn im Dorf nichts anfangen. Doch er ist kein Mann der lauten Gegenworte und der aktiven Gegenwehr, dazu ist er zu leise, zu bescheiden. Er leistet vielmehr beinahe unbemerkt Widerstand, indem er etwa als einziger im Dorf gegen den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich stimmt, das ihm angetragene Amt als Bürgermeister ablehnt und nichts für die Partei spendet. Doch all diese kleinen Akte des Widerstands bleiben vorerst ohne Folgen, erst als er 1940 den Schutzraum seiner dörflichen Heimat verlässt, um in Braunau am Inn bei der Wehrmacht einzurücken, wird seine Ablehnung des Nationalsozialismus offensichtlich. Zwar wird er auf Gesuch seiner Heimatgemeinde zunächst als unabkömmlich vom Wehrdienst freigestellt, doch 1943 muss er abermals einrücken, erklärt dort seinen Status als Kriegsdienstverweigerer und wird direkt wegen „Wehrkraftzersetzung“ inhaftiert, verurteilt und schließlich am 9. August 1943 mit dem Fallbeil in Brandenburg an der Havel hingerichtet.

Der Titel A Hidden Life ist ein Zitat aus dem Roman Middlemarch von George Eliot, in dem es heißt: „(…) for the growing good of the world is partly dependent on unhistoric acts; and that things are not so ill with you and me as they might have been is half owing to the number who lived faithfully a hidden life, and rest in unvisited tombs.” Mit den historischen Fakten nimmt es der Film indes nicht allzu genau. Vergleicht man den realen Lebensweg Jägerstätters mit den Ereignissen, von denen der Film erzählt, muss man feststellen, dass Malick derart drastisch verkürzt und strafft, zuspitzt und weglässt, dass der Film an der historischen Person nur insofern Interesse hat, wie weit sie sich seinem ästhetischen Wollen und seinem Weltbild unterwirft. Insofern verwundert es nicht, dass Jägerstätters ureigenste Beweggründe für sein Handeln eher angedeutet als plausibel dargelegt und so eher fühl- als begreifbar erscheinen. 

Bereits bei Malicks vorherigen Filmen Tree of Life, Knight of Cups und To the Wonder fiel auf, dass er seine Charaktere und Figuren stets so sehr reduziert, dass sie in sein ästhetisches Rezept passen. Hier wird es umso deutlicher, da es sich bei Franz Jägerstätter nicht um eine fiktionale Gestalt, sondern eine historische Person handelt. Natürlich beherrscht Malick sein Metier nach wie vor auf meisterliche Weise, sein Spiel mit der stets sanft bewegten Kamera, mit überwiegend natürlichem Licht, sein Sinn für die Erhabenheit von Musik, sein Blick für Texturen und Landschaften machen ihn zu einem der großen Ästheten des Gegenwartskinos. Leider allerdings erweist sich auch dieses Mal der schöne Schein und dessen Verführungskraft als übermächtig gegenüber der Dringlichkeit und Wahrhaftigkeit des Seins. (kino-zeit.de)

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Mit Zero-Hour-Vertrag in den Ruin

Ricky (Kris Hitchen) hat in seinem Leben jeden erdenklichen Job gemacht. Er hat auf dem Bau gearbeitet, Straßen gepflastert, sogar Gräber ausgehoben auf dem Friedhof. Nun versucht er, sich als Paketfahrer „selbständig zu machen“. Das Wort an sich ist der reinste Euphemismus und davon gibt es im ersten Dialog in „Sorry We Missed You“ viele. Mallony, der muskelbepackte Leiter der Fahrzentrale, erklärt Ricky das Konzept der „Zero Hour“-Verträge, mit denen das Unternehmen arbeitet: Die Fahrer werden Teil des Franchise, sie haben keine festen Arbeitszeiten, sondern werden nach Schnelligkeit der Lieferung und Schwierigkeit der Lieferroute bezahlt.

Schnell muss Ricky jedoch feststellen, dass der Traum, durch diese Freiheiten sein eigener Chef zu werden, neoliberale Augenwischerei ist. Denn in der Praxis heißt es für ihn ab jetzt, sechs Tage die Woche 14 Stunden unterwegs zu sein, um das Geld zu machen, mit dem seine Familie überleben kann. Jede Verspätung, jeder Ausfall wird mit einer Strafgebühr geahndet. Der Eingangsdialog mit den vielen Euphemismen des Unternehmers ist über schwarzem Bild zu hören, auf dem nach und nach die Anfangscredits laufen. Jeder, der schon einmal Arbeit gesucht hat, kennt die Phrasen. Sie sind nicht spezifisch für den Protagonisten. Doch was genau hinter ihnen steckt, wird dann an Rickys Geschichte erzählt, die sich mehr und mehr zuspitzt.

Wie schon bei I, Daniel Blake (mit dem Loach 2016 in Cannes die Goldene Palme gewann), siedelt der britische Regisseur seine Geschichte wieder im nordenglischen New Castle an. Und wie im letzten Film richtet er auch in Sorry We Missed You den Blick auf die Arbeiter, die durch neoliberale Wirtschaftspolitik und den Abbau von Sozialgesetzen jeden Tag aufs Neue um die reine Existenz kämpfen müssen. „Lange wurde uns erzählt, wenn du hart arbeitest und darum kämpfst, dann hast du ein gutes Leben, kannst deine Familie versorgen und bist sicher. Aber das hat sich geändert — und das ist kein Scheitern des Kapitalismus, das ist einfach purer Kapitalismus, wie er funktioniert“, sagte Loach auf der Pressekonferenz zu seinem Film in Cannes.

Exemplarisch erzählt er das an Ricky und seiner Familie. Seine Frau Abbie (Debbie Honeywood) ist Altenpflegerin. Auch sie hat einen „Null-Stunden“-Vertrag (wie statistisch 1,4 Millionen Menschen in Großbritannien), wird nur nach der Anzahl ihrer „Klienten“ bezahlt, wie ihre Chefin die Pflegebedürftigen nennt. Um den Transporter ihres Mannes zu finanzieren, hat sie ihr Auto verkauft, verbringt nun noch mehr Zeit auf dem Weg von einem Patienten zum nächsten, telefoniert nebenbei mit ihren Kindern, um ihnen zu sagen, wo das Mittagessen steht und wer sie für Schwimmunterricht oder den Chor abholt. Und bei all dem mag sie ihre Arbeit, mag die alten Menschen, will für sie sorgen und zerreißt dabei fast an der schieren Unmöglichkeit, all das mit der kurzen Zeit zu vereinbaren, die sie nur investieren dürfte, um für sich selbst „wirtschaftlich“ zu arbeiten.

Loachs Protagonisten sind extrem angespannt, mit jedem Tag erhöht sich der finanzielle Druck und ab dem Moment, als Ricky das erste Mal übermüdet in den Transporter steigt, hält man unweigerlich den Atem an und hofft nur, dass er weder einen Bus streift, noch aus Versehen ein Kind umfährt. Bei Debbie entlädt sich diese Spannung am Ende im Krankenhaus, wo sie am Telefon fluchend Mallony anschreit — und danach weinend zusammenbricht, weil sie eine Person ist, die nicht flucht und keine harten Worte benutzt. Der Ausbruch ist ihr peinlich, was sie unter Tränen ein ums andere Mal wiederholt.

Die Szene ist so hart wie jene in der Essensausgabe in I, Daniel Blake, wo die Protagonistin über eine Dose weißer Bohnen herfällt und sie schamerfüllt und unter Tränen mit bloßen Händen isst, weil sie vor Hunger nicht mehr weiterweiß. Dass die Schauspieler auch in diesem Film so weit gehen und dabei so gut sind, liegt zum einen am Casting. Rhys Stone und Katie Proctor, die die Kinder spielen, wurden vom Schulhof beziehungsweise aus dem Spanischunterricht heraus direkt zum Vorsprechen eingeladen. Und Debbie Honeywood, die zwanzig Jahre als Lehrerin in Nordengland gearbeitet hat, war ursprünglich als Film-Extra bei einer Agentur gemeldet. Nach einem Drink mit Loach stand fest, dass sie die weibliche Hauptrolle spielen würde. Loach dreht  seine Filme chronologisch, gibt den Schauspielern immer nur ein paar Seiten des Skripts. Zum Teil wissen sie nicht, was das Gegenüber als nächstes tun wird. So kitzelt er aus den Laien Emotionen, die manche Stars auch nach Jahren auf Filmschulen nicht hinbekommen.

Es entsteht so ein Sozialdrama, bei dem man bis zum Ende den Atem anhält — und danach beschließt, bei Amazon so schnell nichts mehr zu bestellen. (kino-zeit.de)

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Mehrere Milliarden Tonnen Erde werden durch Menschen jährlich bewegt – mit Schaufeln, Baggern oder Dynamit..

Nikolaus Geyrhalter beobachtet in Minen, Steinbrüchen, Großbaustellen Menschen bei ihrem ständigen Kampf, sich den Planeten anzueignen. (erde-film.at)

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Wutentbrannt

Benni (Helena Zagel) ist wütend. Benni rastet aus. Egal, wohin sie kommt, früher oder später fliegt die Neunjährige aus Wohngruppen oder Heimen, zur Schule geht sie schon gar nicht mehr. Sie schreit, sie ist aggressiv, sie ist nicht zu kontrollieren. Benni ist ein Systemsprenger: Das Jugendhilfesystem ist mit ihr überfordert. Dabei hat sie mit Frau Bafané (Gabriela Maria Schmeide) eine engagierte Sozialarbeiterin, sie hat immer wieder ErzieherInnen, die sich Mühe mit ihr geben. Aber diese Wut, diese Aggressionen lassen sich nicht kontrollieren. Deshalb findet Frau Bafané kaum mehr einen Platz für sie. Eine Unterbringung in der Geschlossenen scheint für alle anwesenden ErzieherInnen die einzige Lösung, nur Frau Bafané wendet ein, dass Benni dafür noch zu jung ist. Dann hat Bennis neuer Schulbegleiter Micha (Albrecht Schuch) eine Idee: Eigentlich arbeitet er mit straffälligen Jugendlichen, mit sechs von ihnen ist er schon in ein Haus im Wald gefahren. Drei Wochen ohne Strom, ohne Elektrizität. Das habe geholfen.

Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Fingscheidt lässt sich in Systemsprenger ganz auf ihre Hauptfigur ein: Wenn Benni austickt, dann überlagern sich Bildfetzen, wird die gesamte nicht zu bändigende Energie deutlich, die sie überkommt. Wenn sie gegenüber anderen Kindern gewältig wird, auch dann bleibt die Kamera nah an Benni, ohne dass sie in diesem Moment zeigt, was Benni tut. Am Rand des Bildes sind die Folgen zu erahnen. Dadurch wird spürbar, wie dieser Kontrollverlust für Benni ist, wie viel ungebändigte Energie in ihr steckt.

Über ihren Hintergrund erfährt man nach und nach mehr, durch Bilder, durch Gespräche, die die Erwachsenen miteinander führen: Sie rastet aus, wenn ihr jemand ins Gesicht fasst, weil ihr wohl als Baby Windeln ins Gesicht gedrückt wurden. Sie will eigentlich nur bei ihrer Mutter Bianca sein, aber die ist nicht nur überfordert mit ihrer Tochter und den anderen beiden Kindern, sondern auch wieder mit dem gewalttätigen Freund zusammen. Dass hierher ein anderes Trauma kommt, wird anhand der Bildfetzen deutlich: Einmal sperrt er Benni in einen Schrank. Diese Perspektive kennt das Publikum schon, aus einem von Bennis Anfällen. Vielleicht war es ein Wutanfall, vielleicht überkam es sie aber auch in der Nacht, wenn sie wieder einmal ins Bett gemacht hat.

Mit Micha kommt Benni nach einer Weile gut zurecht. Man spürt, dass alles, was sie will, ein Mensch ist, der für sie da ist. Eigentlich will sie zurück zu ihrer Mutter, aber ein wenig hofft sie auch darauf, dass Micha ihr hilft. Doch er erkennt, dass er die Distanz verliert bei der mageren Neunjährigen, er entwickelt Retter-Vorstellungen und weiß, wie unprofessionell das ist.

Das ständige Wechseln von Orten, von Bezugspersonen, von Kindern, die mit ihr dort leben, machen etwas mit Benni, das ist völlig klar. Sie macht sich schon nicht mehr die Mühe, die Namen der ErzieherInnen zu erlernen, sondern brüllt einfach ein „Erzieher!“, wenn sie etwas will. Dabei zeigt sich das Versagen des Systems hier nicht darin, dass niemand hinsieht, dass sich niemand kümmert. Benny ist schlichtweg ein extremer Fall – und für sie gibt es keine Lösung. Eine Therapie bekommt sie erst, wenn sie ein stabiles Umfeld hat. Aber ohne Therapie findet sie kein stabiles Umfeld.

Ein Kind wie Benni ist kein Einzelfall: Aber wenn eine Neunjährige, die zu viel Energie und zu viel Mist in ihrem Leben hat, keine Hilfe bekommt, wenn man ahnt, dass sie keine Zukunft hat, dann bricht einem das das Herz. Systemsprenger gelingt das Kunststück, dass man versteht, warum Benni auch pädagogisch geschultes Personal an seine Grenze bringt, warum selbst Menschen, die ihr wohlgesinnt sind, aufgeben. Sie ist unglaublich anstrengend. Und brutal. Und doch liebenswürdig. Denn ihr ganzes Verhalten ist doch – so klischeehaft es klingen mag – ein einziger Schrei nach Hilfe. Jedes Mal, wenn Benni wieder enttäuscht wird, schmerzt es, dass wieder eine Chance vergeben wurde, wieder eine Hoffnung vergebens war. Sie ist doch erst neun Jahre alt. Und mit neun Jahren sollte man noch nicht aufgegeben haben – oder aufgegeben worden sein. (Kino-zeit.de)

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